Ein paar Fallbeispiele aus der Insolvenzpraxis:

Fall 1: Verbraucherinsolvenz, ledig keine Kinder
Herr Walter hat über 22.000,- Euro Schulden und verdient ca. 1500,- bis 1.700,- Euro Netto im Monat. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahren bezahlt er im Monat knapp über 300,- Euro im Monat und ist nach nur drei Jahren schuldenfrei. Herr Walter wird aufgrund seiner hohen Tilgungsrate mit einer kurzen Insolvenz belohnt.

Abwandlung: Ein (vergessener) Gläubiger der auch noch 15.000,- Euro zu bekommen hatte, meldet sich erst nach Abschluss des Verfahrens beim Schuldner bzw. dem Insolvenzgericht.

Ergebnis: Der Gläubiger hat Pech gehabt. Die Restschuldbefreiung ist auch ihm gegenüber gültig.

Fall 2: Friseur, verheiratet, keine Kinder
Herr Schilling verdient 1500,- Euro im Monat und hat über 160.000,- Euro Schulden bei Banken, Bekannten und Vermietern.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens muss er wenig mehr als 30,- Euro im Monat zahlen. Nach Ablauf von 5 Jahren wird er schuldenfrei, da er über 1800,- Euro innerhalb diesen Zeitraumes bezahlt hat und damit die Verfahrenskosten von ca. 1500,- Euro gedeckt sind.

Fall 3: Verbraucherinsolvenz, verheiratet mit zwei Kindern
Herr Müller aus Dortmund ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Gesamtverschuldung beträgt ca. 40.000,- €. Als Lkw-Fahrer beträgt sein Nettoeinkommen im Monat lediglich 1.700,- € zzgl. Kindergeld. Bisher zahlt er 300,- € monatlich an die T-Bank, um das Darlehen zurückzuführen. Die Darlehensrate ist für ihn nicht mehr tragbar. Nach einem Beratungsgespräch reicht der Rechtsanwalt am Amtsgericht Dortmund einen Insolvenzantrag für Herrn M. ein. Herr M. wird von seinen Schulden befreit und zahlt keinerlei Beträge an die Gläubiger. Dauer der Insolvenz 6 Jahre.

Fall 4: Ledig, kinderlos, Schulden 80.000,- €
Frau Konrad aus Dortmund ist ledig und hat keine Kinder. Sie arbeitet als Kindergärtnerin und hat ein Nettoeinkommen in der Steuerklasse I in Höhe von 1.500,- € . Aufgrund einer früheren geplatzten Immobilienfinanzierung hat sie noch 80.000,- € Schulden. Sie zahlt bisher monatlich 650,- € an die Gläubiger zurück. Sie müsste noch mindestens 13 Jahre zahlen, um schuldenfrei zu werden. Sie entscheidet sich für die Insolvenz. Nach Eröffnung der Verbraucherinsolvenz am Amtsgericht Dortmund zahlt sie lediglich für fünf Jahre 360,- € im Monat an den Treuhänder und ist danach schuldenfrei.

Fall 5: Verbraucherinsolvenz eines geringfügig Beschäftigten
Herr Theodor aus Dortmund ist verheiratet und bekommt 400,- € Arbeitslosengeld I. Seine Ehefrau ist Lehrerin und hat ein Nettoeinkommen von 3.000,- €. Herr T. ist mit 30.000,-€ verschuldet und kann die Darlehensraten nicht mehr aufbringen. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Amtsgericht Dortmund braucht Herr T. keine Gelder mehr an die Gläubiger oder an den Insolvenzverwalter zu zahlen (solange sein Einkommen unter 1049,99,- € liegt). Das Einkommen der Ehefrau wird nicht berücksichtigt. Herr T. zahlt lediglich freiwillig die Verfahrenskosten des Amtsgerichtes Dortmund von 1.500,- € und wird im Gegenzug nach fünf Jahren schuldenfrei.

Fall 6: Türkeirückkehrer wird schuldenfrei
Herr Mehmet aus Dortmund ist verheiratet, bezieht Rente in Höhe von 1300,- € und hat Schulden in Höhe von über 50.000,- €. Seine Frau hat kein eigenes Einkommen. Beide wollen sich in der Türkei zur Ruhe setzen aber auch die Verbindungen nach Deutschland nicht endgültig aufgeben. Der Rechtsanwalt reicht für Herrn M beim Amtsgericht Dortmund einen Privatinsolvenzantrag ein und stimmt mit dem Insolvenzverwalter den Wegzug in die Türkei ab. Herr M kann in der Türkei leben und braucht keinerlei Zahlungen an den Insolvenzverwalter zu zahlen. Nach Ablauf von 6 Jahren ist er in schuldenfrei!